Altlasten

Heute vor 100 Jahren wurde die SS gegründet. Arno Widmann, der in einer Serie für die „Frankfurter Rundschau“ seit geraumer Zeit die erstaunlichsten Gedenktage in Erinnerung ruft, schreibt ausführlich darüber. Es ist ein gravierendes Datum: „In der frühen Weimarer Republik herrschte Bürgerkrieg.“

Jede große Partei, berichtet er, hatte damals einen militärischen Arm. Die Gründung des Schlägertrupps sollte sich darüber hinaus als entsetzlich folgenreich erweisen. Die „Schutzstaffel“ war im Gegensatz zur SA keine Massenbewegung, sondern eine Elite-Organisation, der bald die Aufgabe zufiel, die Ermordung der europäischen Juden zu organisieren und durchzuführen. Nach dem Krieg war es nicht vorbei mit ihrem Einfluss. „Im Bundeskriminalamt waren 1958 von 57 leitenden Posten 33 mit ehemaligen SS-Männern besetzt“, führt Arno aus. „Auch im Bundesverfassungsschutz arbeiteten mehr als ein Dutzend ehemaliger SS-Männer.“ Diese Verharrungskräfte hatte der Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer zu gewärtigen, als er die Fährte aufnahm, um Adolf Eichmann in Buenos Aires aufzuspüren. Mithin ist der Titel von Lars Kraumes „Der Staat gegen Fritz Bauer“ klug und triftig gewählt.

Gestern Abend stellten der Regisseur und sein Hauptdarsteller Burghart Klaußner ihn im Filmmuseum Potsdam zehn Jahre nach seiner Premiere vor. Er lief und läuft zur Eröffnung des Rahmenprogramms der Ausstellung „How to catch a Nazi“, über die ich in der letzten Woche schrieb. Das Gespräch moderierte der unermüdliche Knut Elstermann. Ich werde ausgiebig von dem Abend berichten. Ich bitte um ein wenig Geduld, davor steht noch eine unerbittliche Deadline an.

 

 

 

 

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